Elisabeth Mette:
Wenn der Stein eine neue Sprache findet

Während Johannes Dröge das Fundament für eine ganze Bildhauer-Tradition im Sauerland legte, ist Elisabeth Mette eine jener Künstlerinnen, die diesen Weg nicht nur konsequent weiterverfolgt, sondern mit einer ganz eigenen, feinsinnigen Note versehen hat. Als langjährige Schülerin – und zudem Nichte – von Johannes Dröge hat sie das Handwerk von der Pike auf gelernt, ohne dabei im Schatten ihres Mentors stehen zu bleiben.
Werdegang: Zwischen Pädagogik und Meißel
Elisabeth Mettes Weg zur Bildhauerei war ein Prozess der allmählichen Annäherung. Ursprünglich im Bildungsbereich verwurzelt, fand sie über die Jahre immer stärker zur bildenden Kunst.
- Hintergrund: Sie absolvierte ein Lehramtsstudium in Darmstadt und Münster sowie ein Diplomstudium in Erwachsenenbildung. Bis 2015 war sie als Konrektorin an einer Realschule tätig.
- Künstlerische Prägung: Die entscheidende künstlerische Schule war die Arbeit bei Johannes Dröge in Sundern. Über Jahre hinweg verfeinerte sie dort ihre Technik in Stein und Holz.
- Lehrtätigkeit: Heute gibt sie ihr Wissen selbst weiter. Seit 2000 ist sie regelmäßig als Dozentin für Stein- und Holzbildhauerei sowie für das Modellieren mit Beton tätig.
Das Werk: Reduktion und Dialog
In den Arbeiten von Elisabeth Mette spürt man die drögesche Schule – vor allem im Respekt vor der Eigenart des Steins –, doch ihre Handschrift ist oft noch stärker von einer inneren Ruhe und formalen Klarheit geprägt.
1. Materialien und Technik
Sie beschränkt sich nicht nur auf den klassischen Block. Ihr Repertoire umfasst:
- Persischer Kalk, Marmor und Sandstein: Sie liebt die unterschiedlichen Härten und Texturen.
- Bohrkerne und Fundstücke: Eine Besonderheit ist ihre Vorliebe für industrielle „Abfallprodukte“ wie Bohrkerne. Diese zylindrischen Steinreste verwandelt sie in filigrane Skulpturen, wobei sie den Kontrast zwischen der technisch perfekten Rundung und der handwerklich bearbeiteten Oberfläche nutzt.
- Holz und Beton: Auch in diesen Medien sucht sie nach der Balance zwischen Form und Material.
2. Die Ästhetik der „Begegnung“
Ein wiederkehrendes Motiv in ihrem Schaffen ist das Paarweise oder das Zueinander-Stellen von Elementen. Viele ihrer Skulpturen tragen Titel wie „Duo“ oder thematisieren die „Begegnung“.
- Vertikalität: Ihre Stelen wirken oft wie Wächter oder stumme Zeugen.
- Durchblicke: Wie ihr Lehrer nutzt sie Öffnungen im Stein, um den Raum hinter der Skulptur miteinzubeziehen, was den massiven Objekten eine fast meditative Leichtigkeit verleiht.
Verbindung und Engagement
Elisabeth Mette ist nicht nur als ausführende Künstlerin aktiv, sondern auch als Bewahrerin und Vermittlerin. 2011 war sie eine der Herausgeberinnen des Buches zum 80. Geburtstag von Johannes Dröge und trug maßgeblich dazu bei, sein Lebenswerk zu dokumentieren.
Heute lebt und arbeitet sie in Münster, ist aber durch Ausstellungen (z. B. im Stockumer Skulpturenweg oder in der Stadtgalerie Sundern) und ihre Mitgliedschaft im Kreiskunstverein Beckum-Warendorf eng mit ihrer westfälischen Heimat verbunden.
Während Dröges Werke oft eine kraftvolle, fast archaische Präsenz haben, wirken die Arbeiten von Elisabeth Mette wie leise Antworten auf die Fragen, die der Stein stellt – eine gelungene Fortführung einer großen Tradition in eine moderne, individuelle Formensprache.





